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About Elisabeth

Sie hatte nun die Wahl. Entweder weitermachen wie bisher, und das Geschehene so gut es ging zu verdrängen, oder etwas an ihrem Leben ändern - und zwar sofort.

Doch drehen wir die Zeit ein wenig zurück und suchen uns Einblick wie die Geschichte begann.

Elisabeth wurde am 14.8.1980 in Wien geboren, in einem kleinen Spital, dass nun wahrscheinlich längst nicht mehr steht. Sie war ein ruhiges Baby, denn ganz im Gegensatz zu allen anderen in der Wickelstube weinte sie so gut wie nie. Ich kann mich nur noch an 2mal erinnern, als ihr kleine Tränen ihre Pausbäckchen hinunterkullerten. Das eine Mal, wie sie etwas im Auge hatte, und das zweite Mal, als ihre Mutter aus dem Saal ging, in dem sie lag. Es war, wie als hätte sie damals schon gewusst, dass sie sie nie wieder sehen sollte. Ein paar Tage später wurde Elisabeth von einer Kleinfamilie adoptiert, ich überbrachte der neuen Familie damals das kleine Mädchen.
Ein frisch verheiratetes Paar, die Frau klein und geschmächtig der Mann groß, stark aber durch das viele Anabolika was er früher eingenommen hatte, impotent und somit unfähig Kinder zu zeugen. Ab sofort lebte Elisabeth in einem kleinen Haus am Stadtrande Wiens und bekam alles, was sie nur wollte. Ein paar Jahre später, als sie schon lange gehen konnte und ihr Mundwerk ununterbrochen offen hatte, zogen sie um, ins Stadtinnere, nahe an eine Volksschule.
Sie wuchs zu einem intelligenten jungen Mädchen heran, nach der Volksschule kam das Gymnasium und nach der 6. Klasse Oberstufe der erste Ferialjob während den Ferien, ihre erste richtige Arbeit. Sie arbeitete bei einem Tierarzt als Sekretärin, für zwei Monate. Der Job füllte sie total aus und war das Beste, was ihr, bei ihrer Liebe zu Tieren passieren konnte.

Doch Mitte dieser Ferien passierte etwas, was Elisabeths gesammtes Leben verändern sollte.

Elisabeth ging Samstag Abends in die Disco, verließ diese um Ein Uhr Morgens, wurde an einer dunklen Straße ins Gebüsch gezogen und vergewaltigt. Ihr Schreie hörte nur ein anderes Mädchen, doch das war stockbesoffen, gerade noch fähig sich auf den Beinen zu halten, und somit unfähig zu helfen. Elisabeth kam nach Hause, wusch sich mit Bürsten bis sie blutete, duschte sich 3 Stunden lang und fühlte sich dennoch immer noch dreckig. Sie bekam Alpträume und schnitt sich drei Tage später aus Verzweiflung in die Arme. Wurde mit der Zeit in der Schule immer schlechter und begann zu rauchen.
Mit Glück schaffte sie die Matura, doch all das hatte zu viel Kraft in Anspruch genommen, sie fühlte sich zu schwach noch weiteres in ihrem Leben zu leisten und durch die schlaflosen Nächte aus Angst vor Alpträumen war sie jeden Tag erschöpft und unglaublich müde. Alle anderen begannen zu studieren und sie hatte nun die Wahl. Entweder weitermachen wie bisher, und das Geschehene so gut es ging zu verdrängen, oder etwas in ihrem Leben ändern - und zwar sofort.

Die Geschichte wäre ein wenig kurz, hätte Elisabeth weiter gemacht wie bisher und sich dann aus lauter Erschöpfung umgebracht, also ist es wohl zu erwarten, dass sie etwas aus ihrem Leben tat. Einfach mal weiter, wo wir aufgehört hatten.

Elisabeth gab sich also selbst ein Jahr Zeit um das Geschehene zu verarbeiten. Mehr Zeit wollte sie sich selbst nicht geben, einfach weil sie sich von einem Typen nicht ihr ganzes Leben versauen lassen wollte. Sie ging in Therapie, lies ihren schmerzen freien Lauf, schrie dort, weinte sprang vor Wut auf dem Boden auf und ab.
Danach ging es ihr besser. Sie bildete sich mit diversen Zeitschriften weiter und informierte sich immer mehr über das Thema. Sie trat in eine berühmte Selbsthilfegruppe ein, die sich wöchentlich einmal traf und tauschte so mit anderen Opfern ihre Erfahrungen aus.
Sie suchte sich eine Arbeit, wieder als Sektretätin bei einer Tierarztpraxis und begann nach und nach mit dem Geschehen zu leben.

Wahrscheinlich hätte Elisabeth nach diesem Zeitpunkt ein erfülltes Leben gehabt, besonders nachdem sie auch einen jungen Mann kennenlernte in den sie sich prombt verliebte und der mit ihrer Vergangenheit auch klar kam und auf ihre Wünsche einstieg und sich in Zurückhaltung übte, wenn er merkte, dass ihr etwas zu weit ging.
Doch da viele Geschichten mit einem Happy End enden, wäre es nur zu typisch, wenn es in unserer Geschichte auch so wäre.


Elisabeths Freund fuhr für zwei Wochen nach England mit seiner Familie, einfach mal ausspannen von dem Stress zu Hause und sie traf sich mit Freundinnen und ging mit denen fort. Nach langem mal wieder ohne Angst. Sie tanzte bis zum umfallen und hatte unglaublich viel Spaß. Es war gegen zwei Uhr, als sie nach Hause ging - und gegen halb 3 als sie zum zweiten Mal vergewaltigt wurde. Gegen halb 4 als sie sich bürstete bis sie blutete, halb 5 als sie sich geduscht hatte. Und 6 Uhr Morgens als sie aus Verzweiflung von der Wiener OMV Brücke sprang.
Eine Woche später war das Begräbnis, ich erinnere mich an jedes Gesicht, die Eltern wie sie haufenweise Tränen weinten, die Freundinnen wie sich minütlich umarmten und ihnen der Schock ins Gesicht stand, den guten Leichenschmaus. Wie die Mutter mich umarmte und mir dafür dankte, dass ich Elisabeth damals zu ihnen gebracht hatte und immer wieder bei ihnen vorbeigesehen hatte um mich nach Eisabeth zu erkundigen, rein beruflich versteht sich von selbst.

Ich schmiss ihr eine rote Rose ins Grab nach.
Möge Gott die kleine Elisbateh segnen, ihre warmen Lippen, ihre weiche Haut.
Ich werde nie vergessen wie sie schrie, als ich sie am Straßenrand entjungferte als sie von der Disco nach Hause wollte, werde nie vergessen wie sie weinte, schluchtzte und um Gnade jammerte als ich sie ein paar Jahre später wieder dort abpasste...
Sie war das schönste Mädchen, dass ich je gesehen hatte. Wunderschön ihr Leben lang.




Dedicated to Denise

Sie wird beschimpft:
Eine Beleidigung hier
ein böses Wort da -
doch sie erwiedert nichts.
Denise, hörst du das nicht?
Denise, stört dich das nicht?

Sie wird verhaut fast jeden Tag:
Schläge links und rechts,
Hiebe vorne und hinten -
doch sie bewegt sich nicht.
Denise fühlst du das nicht?
Denise, stört dich das nicht?

Sie wird verstoßen:
Du bist nicht mehr mein Kind,
ich hasse dich! -
Doch sie bleibt.
Denise was hält dich noch?
Denise warum fliehst du nicht?

Nachts sitzt sie im Bett und ist frei,
frei für die Lösungen, die entgültigen:
die Tabletten, die ausgekotzt wurden,
den Rasierklingen die zuwenig tief schnitten,
dem Alkohol, der zu kurz wirkte
dem verhinderten Sprung vor die U-Bahn,
und frei von dem Psychologen der sie verstand
- exakt dreiundvierzig Minuten lang.

Nachts sitzt sie im Bett und ist frei,
frei sich zu entscheiden
möglicherweise dafür:
weiter nichts hören,
weiter nichts spüren,
weiter zu bleiben
weiter stark zu sein
um eines Tages ihren eigenen Kindern
die Liebe geben zu können,
nach der sie sich so sehr sehnt.




Gott

"Gott, siehst du gerade auf mich herab?
Siehst du, was ich gerade mache?
Ich halte mir eine Pistole an den Kopf!
Jede Sekunde könnte ich abdrücken
und schon wäre ich im Himmel
- bei dir!
Gott sieh mich an...deinen Diener...
Herr, ich liebe dich und ich bin bereit mich dafür zu opfern!
Vater, einer deiner Söhne ruft dich!
Erhöre ihn
und nimm ihn auf, in dein ewiges Reich
... für immer will ich dein Diener sein.
Nur einmal abdrücken
und ich würde dir vielleicht schon gegenüber stehen...
Herr, sieh mich an!
Ich bin für alles bereit!
So, blicke nur einmal auf mich herab..."

Vorsichtig und mit zitternder Hand drückte er den Auslöser...
Ein kurzer lauter Ton erfolgte und die Tat war vollbracht...
Der Körper sackte zusammen, das letzte Stück an Leben erlosch nach und nach...
Seine Augen waren weit aufgerissen und er gab röchelnd die letzten Worte von sich:
"Himmelstore heute schon geschlossen - probieren sie es morgen wieder!"




DAS eine....

Immer kann ich nur an DAS eine denken,
würde das nun jemand wissen,
würde dieser jemand meinen, ich wäre pervers,
weil ich mir so viele Gedanken darüber mache,
aber ich komme gegen die Gedanken einfach nicht an,
ich habe jetzt unglaubliche Lust ES zu tun.

Klar, irgendwie habe ich Angst,
alles so neu und unbekannt,
aber probieren sollte man es doch, oder?!
Schließlich kann ich ja nicht eine Ewigkeit warten...

Ich bin mir sicher,
es ist total super, einfach geniale,
aber soll ich es wirklich wagen??

Soll ich zum Eisgeschäft gegenüber von mir gehen,
und die neuen Eissorten probieren??




Versuchskaninchen

Sie rannte vor ein Auto,
doch der Fahrer bremste rechtzeitig als er sie sah.
Es war ihr erster Selbstmordversuch...
Sie sprang von einem Turm,
doch die Feuerwehr war da um sie auf zu fangen.
Es war ihr zweiter Selbstmordversuch...
Sie schnitt sich mit einem Messer in die Adern,
aber Freunde fanden sie noch rechtzeitig und halfen.
Es war ihr dritter Selbstmordversuch...
Sie versuchte sich auf zu hängen,
aber man fand sie und schnitt das Seil durch bevor sie erstickte.
Es war ihr vierter Selbstmordversuch...
Sie nahm eine Überdosis Tabletten,
doch die Familie fuhr sie sofort ins Spital - Magen auspumpen.
Es war ihr fünfter Selbstmordversuch...

Sie weinte endlos viele Tränen,
weil sie unglücklich war, verzweifelt,
doch niemand wollte diese sehen, niemand kam um sie zu trösten, niemand legte darauf Wert.
Es waren ja nur Tränen... unbedeutend?!




Ich liebe es,
von dir in den Armen gehalten zu werden,
dein gleichmäßiges atmen auf meiner Haut zu spüren.
Ich liebe es,
endlos lange Gespräche mit dir zu führen,
mich mit dir zu streiten, denn umso schöner ist die Versöhnung.
Ich liebe es,
dich zu küssen,
deine weichen Lippen auf meinen zu spüren und die tausend Schmetterlinge in meinem Bauch.
Ich liebe es,
in deine Augen zu sehen wenn sie mich glücklich anschauen.
Ich liebe es,
wenn du grinst und mich somit zum lächeln bringst.
Ich liebe
- dich.